Pflegenotstand mit Aus- und Weiterbildungen verringern

Die aktuelle Pandemie mit ihren Auswirkungen ist für einige Berufsrichtungen eine sehr intensive Zeit. In der Pflege wurde schon zuvor von ausgelaugten und erschöpften Mitarbeiterinnen berichtet. Nach der ersten Welle verschlimmerte sich die Situation noch. In der Folge hat wertvolles Fachpersonal gekündigt. Damit dieser Pflegenotstand möglichst schnell ausgeglichen werden kann, sind gezielte Aus- und Weiterbildungen zu fördern. Doch nicht nur dies.

Einer der häufigsten Kritikpunkte lautet: Warum hat die Politik nach der ersten Welle nicht umgehend gehandelt und wirksame Massnahmen ergriffen, damit im Falle einer weiteren Welle genügend Pflegepersonal vorhanden wäre. Es mag die Unerfahrenheit mit der Pandemie gewesen sein, hat es doch in anderen Ländern ebenso an Pflegepersonal gefehlt. Und so wurden wir alle nochmals ge- oder überfordert.

Experten und Spitalinsider haben die Politik angegriffen. Im Tagesanzeiger-Artikel «Die Spitäler könnten ein Drittel mehr Intensivplätze betreiben» sagt der Gesundheitsökonom Heinz Locher:

«Dass es nach zwei Jahren Pandemie weniger statt mehr Intensivpflegeplätze gibt, ist nicht Schicksal, sondern reines Versagen der Politik.»

Gemäss Locher könnte man mit genügend hohen Prämien und zugeschnittenen Anstellungsbedingungen ein Drittel mehr Intensivpflege-Fachpersonen mobilisieren, die in den letzten Jahren wegen Pensionierung oder aus Frust ausgestiegen sind. (Quelle: Tagesanzeiger.ch - «Die Spitäler könnten ein Drittel mehr Intensivplätze betreiben»)

Berufsbegleitende Ausbildung fördern

Der Kanton Zürich will nun handeln. Angehenden Intensivpflegerinnen und Notfallpflegern werden die Studiengebühren von 17'200 Franken erlassen. Eine generelle Lohnerhöhung gibt es nicht, schreibt der Tagesanzeiger. Der Kanton will damit zusätzliche Pflegefachleute motivieren, die berufsbegleitenden Weiterbildungen zu Spezialistinnen in Intensivpflege und Notfallpflege zu absolvieren. (Quelle: Tagesanzeiger.ch - «Zürich reagiert auf den Pflegenotstand»).

Mit dieser Massnahme erwartet man, dass rund 100 Spezialisten mehr pro Jahr ausgebildet werden können.

Doch es geht nicht ganz ohne Bedingungen:

Die Spitäler müssen sich verpflichten, in die Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie in Aus- und Weiterbildung zu investieren. Absolventinnen und Absolventen des Nachdiplomstudiums sollen verpflichtet werden, während eines gewissen Zeitraums im Betrieb tätig zu bleiben, wie dies in der Wirtschaft auch üblich ist.

Schnellkurs für Intensivpflege reicht nicht aus

An Menschen, die ihre Unterstützung anbieten wollten, fehlte es zumindest in der ersten Welle nicht. Auch, dass das Militär als unterstützende Massnahme eingesetzt wurde, leuchtet ein. Doch besonders für Intensivpatienten braucht es ausgebildetes Pflegepersonal.

Wissen und schnelles Handeln können Leben verlängern!

Im Sommer 2020 hatte die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich (GD) zusammen mit dem Unispital und der Fachschule für Intensivpflege, Notfallpflege und Anästhesiepflege als Sofortmassnahme einen Schnellkurs in Intensivpflege angeboten. Insgesamt 117 Pflegefachpersonen haben diese Weiterbildung absolviert. Dieses Pflegepersonal konnte auf der Intensivstation Unterstützung leisten, Patienten aber nicht selbstständig betreuen.

Aus- und Weiterbildungen werden zentral wichtig

Um langfristig Engpässe zu vermeiden, braucht es attraktive Anreize für Aus- und Weiterbildungen im Gesundheitswesen.

Wer jedoch glaubt, mit der Weiterbildung alleine kann zukünftig genug Pflegepersonal gewonnen werden, der irrt sich. Ein weiterer wichtiger Ansatz sind die Anstellungsbedingungen und faire Löhne. Insbesondere die Anstellungsbedingungen müssen zwingend mehr den menschlichen Bedürfnissen entsprechen.

Mehr Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Gesundheitswesen sind nur ein Teil, um auch in Zukunft die Gesundheit der Menschen zu unterstützen.

Eine der wichtigsten Fragen, die während der ganzen Pandemie oft im Hintergrund geblieben ist, lautet: Welchen Einfluss haben wir selbst auf unsere Gesundheit! Ein täglicher Spaziergang an der frischen Luft, die Umstellung der Ernährung weg von Fast Food hin zu mehr natürlichen Lebensmitteln, das Sorgen für genügend erholsamen Schlaf - es sind oft die kleinen Dinge, die unsere Gesundheit am wirkungsvollsten unterstützen. Es lohnt sich, dort genauer hinzuschauen.

21.2.2022, Andreas Räber, GPI®-Coach, Wetzikon