Vom ... zum ...: berufliche Neuorientierung - zum Beispiel im Gesundheitswesen

«Bin ich im richtigen Beruf oder soll ich noch einmal neu beginnen und mich beruflich umorientieren?» Wenn Sie sich solche Fragen stellen, ist es vielleicht an der Zeit, genauer hinzusehen. Tipps für Ihre berufliche Neuorientierung - zum Beispiel im Gesundheitswesen.

«Vom Bundesligatorhüter zum Gartenmöbelmarktleader», «Vom Buchhalter zum Gourmetkäser», «Vom Espressopionier zum Umweltschützer»: Das Buch «aussteigen ? umsteigen» von Mathias Morgenthaler und Marco Zaugg porträtiert zahlreiche Aus- und Umsteiger. Was unterscheidet die porträtierten Menschen von vielen andern? Sie haben etwas völlig Neues gewagt. Im Vordergrund standen ihre persönlichen Interessen und ihre Visionen.

«Es war eine Trotzreaktion gegenüber meinen Eltern, dass ich mich nicht für meinen Traumberuf entschieden hatte.»

Gründe für die Berufswahl gibt es viele. Bewusste und unbewusste. Nicht selten sind zum Beispiel junge Erwachsene nach der Grundschule überfordert. Sie sind unsicher und entscheiden sich für das für sie Einfachste oder Naheliegendste. Andere nehmen sich mehr Zeit und wählen ein Zusatzschuljahr, bis sie bisherige Möglichkeiten vielleicht in einem andern Licht sehen und diese für sie spannend werden.

Bis dann mitten im Berufsleben das erste Mal dieses undefinierbare Gefühl mit der daraus resultierenden Frage auftaucht: Bin ich eigentlich im richtigen Beruf?

Ganz gleich, ob man sich bei der Berufswahl sicher war. Mit zunehmender Berufserfahrung lassen sich ein Beruf und seine Entwicklungsmöglichkeiten besser einschätzen.

Erfahrung verändert den Blickwinkel

Manchmal spüren Menschen, dass der Wunsch nach persönlicher Berufung an Wichtigkeit gewinnt. Sie möchten im «richtigen» Beruf arbeiten, diesem Wunsch nachgehen und stellen fest, dass ihr Traumberuf in erster Linie mehr Sinn vermitteln sollte. Sinn wird oft bei einer beruflichen Tätigkeit mit Menschen erlebt.

Ob im Bereich Pflegeberufe, medizinische Berufe oder in einer Verwaltungs- oder HR-Tätigkeit für eine Gesundheitseinrichtung:

Berufe im Gesundheitswesen sind eine sinnvolle Wahl!

Vom … zum … im Gesundheitswesen

Berufe im Gesundheitswesen haben das übergeordnete Ziel, dem Wohlbefinden von Menschen zu dienen. Der Umgang mit körperlich oder psychisch kranken Menschen erfordert das nötige Fachwissen sowie Sozialkompetenz und Empathie. Dazu gehört auch die Fähigkeit, sich von fremder Not genügend abzugrenzen. So kann die psychisch und körperlich belastbare Arbeit erfüllt werden, ohne dass man selbst ausbrennt. Aus- und Weiterbildungen im Gesundheitswesen bieten auch Quereinsteigern eine Chance, in diesem sinnvollen Beruf Fuss zu fassen.

Eine berufliche Neuorientierung ist vorerst eine Investition

Sie interessieren sich also konkret für eine berufliche Neuorientierung? Wie gehen Sie jetzt am besten vor? Vor allem bei sehr relevanten Fragen wie zum Beispiel der Finanzierung? Dazu finden sich auf Berufsberatung.ch nützliche Informationen.

Drei Beispiele, wie Sie einen Quereinstieg in einen Pflegeberuf schaffen können

Gibt es Arbeitgeber, die Sie entsprechend unterstützen, sodass eine Ausbildung realistisch wird? Wer sich beruflich neu orientieren möchte, muss einen gewissen Bildungsaufwand einplanen oder auch eine mehrjährige Ausbildung in Kauf nehmen. Mit einem Lehrlings- oder Praktikantenlohn kann niemand eine Familie ernähren. Doch es gibt einige Möglichkeiten, wie ein Berufswunsch vielleicht doch realisiert werden könnte. Hier drei Beispiele aus der Praxis:

Beispiel 1: Die Pflegezentren der Stadt Zürich

In den Pflegezentren der Stadt Zürich können Berufsumsteigende eine dreijährige Vollzeitausbildung «Dipl. Pflegefachfrau/Pflegefachmann HF» absolvieren. Der Einsatz findet in Ausbildungsabteilungen mit folgenden pflegerischen Schwerpunkten statt:

  • Rehabilitation
  • Übergangspflege
  • Palliative Care
  • Langzeitversorgung sowie
  • Einblicktage in interne Bereiche, wie z. B. Therapien.

Mehr Infos, inkl. Lohn, finden Sie hier.

Beispiel 2: Berufsbegleitender Bildungsgang

Das Careum Bildungszentrum in Zürich hat die Vision, ein wegweisendes Bildungszentrum für Gesundheitsberufe zu sein, welches seine Lernenden und Studierenden mit seinen praxisorientierten Ausbildungen fit für den beruflichen Alltag macht. Ein Beispiel ist der berufsbegleitende Bildungsgang Dipl. Pflegefachfrau HF, Dipl. Pflegefachmann HF.

Dieser Ausbildungsplan ermöglicht es laut careum-bildungszentrum.ch, sich beruflich neu zu orientieren und gleichzeitig im angestammten Beruf oder in der Familienarbeit tätig zu sein. Nebst dem Kontaktunterricht im Careum Bildungszentrum erarbeiten die Studierenden den Lernstoff im Selbststudium sowie in Lerngruppen. Ab dem 2. Ausbildungsjahr schliessen die Studierenden einen Praktikumsvertrag mit einer Institution ab. Die Verantwortlichen der Praxis stellen Angebote zur Lernförderung und -unterstützung zur Verfügung, unter anderem im Lernbereich Praxis und Transfer (LTT), wo theoretische Kenntnisse und praktische Fähigkeiten vernetzt werden (die Anzahl LTT-Tage entsprechen einem Arbeitspensum von 60 Prozent).

Mehr Infos zu HF Pflege berufsbegleitend

Beispiel 3: Bei der Gesundheitseinrichtung individuell anfragen

Die einfachsten Wege sieht man oftmals nicht. In unserem Fall der beruflichen Neuorientierung wäre dies eine direkte Anfrage bei einer Gesundheitseinrichtung mit der Schilderung der persönlichen Situation. Wahrscheinlich muss vor einer Ausbildung ein mehrmonatiges Praktikum absolviert werden. Dadurch lernt man sich gegenseitig kennen und Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger können in das zukünftige Berufsumfeld mit all seinen Anforderungen hineinsehen und sich ein genaues Bild machen. Der Lohn wird unter der Bedingung entsprechender Verpflichtungszeit nach Abschluss der Ausbildung verhandelt. Manchmal besteht die Möglichkeit, dass die Kosten für die Ausbildung durch Stipendien oder Weiterbildungskredite reduziert werden können.

Kennen Sie weitere solche Ausbildungen mit realistischen Finanzierungsmöglichkeiten? Wir freuen uns auf Ihr Feedback, damit wir diese Liste ergänzen können.

25.10.2019, Andreas Räber, GPI®-Coach, Wetzikon