Ausbildung von Ärzten: Wie wichtig ist die Erfahrung bei OPs?
Junge Schweizer Chirurgen lernen nicht mehr richtig, wie man operiert. Diese Aussage wurde in diversen Medien thematisiert. Erfahrung ist insbesondere bei schwierigen Operationen wichtig. Was bedeutet dies für Patienten? Was für die auszubildenden Chirurgen?
Die meisten von uns kennen dieses Gefühl: Wir werden in den OP-Saal geschoben, wo Chirurgen und ihr Team uns übernehmen. Nun ist es soweit. Kein Weg führt mehr daran vorbei. Operiert wird schliesslich nur, wenn es nicht anders geht. Und genau in dieser Situation sind wir Patienten ausgeliefert.
Der Medizin. Der Infrastruktur im OP-Saal. Dem vorhandenen Wissen. Verschiedenen Menschen, für die wir einfach Alltag sind. Menschen, die – wie wir – körperliche und psychische Grenzen haben. Die diese Operation nicht zum ersten Mal machen. Hoffentlich …
Wer uns operiert, ist für uns wichtig. Und vor allem, wieviel Erfahrung dieser Chirurg oder diese Chirurgin hat.
Es geht um Angst. Um Sicherheit. Um Zuversicht. Um Vertrauen und loslassen Können. Etwas, das in solchen Situationen Halt gibt, ist Erfahrung.
Übung macht den Chirurgen
Es ist klar, dass Erfahrung im Bereich von Operationen enorm wichtig sind. Denn im schlimmsten Fall können bleibende Schäden das Leben von Patienten massiv beeinträchtigen. Oder noch schlimmer. Solche Schicksalsschläge verunsichern und stellen das Gesundheitswesen in ein schlechtes Licht. Schnell schreiben Medien dann von «Ärztepfusch». Gesucht werden Schuldige und Gründe.
Um solche Schäden zu verhindern, braucht es die richtigen technischen Voraussetzungen und auch entsprechende Erfahrung. Ist dies nicht der Fall, nehmen die Ängste vor Operationen zu. Bei Patienten und Chirurgen ...
Medien berichten, dass Assistenzärzte ihre Zeit mit viel Schreibarbeiten oder in Notfalldiensten verbringen. So kann man natürlich keine OP-Erfahrung sammeln. So wollen wir sicher nicht operiert werden ...
Das leuchtet allen ein!
Differenzieren nach Schwierigkeitsgrad
Es gibt einfachere Operationen, wie eine Blinddarmentzündung oder schwere, wie eine Bauchspeicheldrüsen-OP. Die leichteren OPs stellen in der Regel weniger Probleme dar und können bald von Chirurgen in Ausbildung übernommen werden.
Selbstverständlich werden diese OPs unter der Supervision erfahrener Chirurgen durchgeführt.
Niemand wird fahrlässig operiert. Wer in Ausbildung ist, hat grossen Respekt vor Operationen und sorgt im eigenen Interesse dafür, sich möglichst gut abzusichern.
Das Wohl der Patienten steht immer an erster Stelle. Und so geht es in der Regel gut, ausser der Alltag macht uns einen Strich durch die Rechnung.
Durch sorgfältige Planung können wir vieles absichern. Doch eben nicht alles. Letzteres wird weniger, wenn wir Ersteres ernst nehmen.
Zahlreiche Studien belegen, dass eine unter Supervision durchgeführte Operation die gleichen Ergebnisse erreicht, wie wenn sie durch einen routinierten Chirurgen durchgeführt wird.
Optimale Voraussetzungen schaffen
Operieren Assistenzärzte, müssen optimale Voraussetzungen gewährleistet sein. Das heisst auch, dass der vorgesetzte Oberarzt innerhalb einer halben Stunde im Operationssaal sein muss.
Zwischenmenschliche Stimmung spielt mit
Wie überall, wo Menschen arbeiten, kann es zu Spannungen kommen. Heisst, die Kommunikation im Berufsalltag kann leiden. Das darf nicht sein und darf von Patienten auch angesprochen werden, sollte dieser Eindruck aufkommen.
Welches Spital hat mehr Operationen? Und ein Denkansatz
Als Patient kann man sich im Vorfeld informieren, welches Spital mehr Erfahrung bei Grundversorgungs- oder auch spezifischen Operationen aufweist. Quelle: SRF.ch: «Wie finde ich das beste Spital» Mehr Erfahrung bedeutet häufig auch mehr Mitarbeitende und eine bessere Abstützung im Alltag.
Wichtig: Jungchirurgen haben in ihrer Ausbildung 500 Operationen als Ziel. Je mehr sie tatsächlich durchführen können, desto höher ist unsere Versorgungsqualität in Zukunft.
Lässt sich niemand mehr von Auszubildenden operieren, leiden wir später alle. Fast. Weniger Erfahrung bedeutet weniger Sicherheit.
Potenzial: bessere Planung und Selektionierung
Versorgungsqualität halten und steigern ist wichtig. Je besser die Planung und Vorbereitung, desto besser die Absicherung.
Vorbereitung. Erreichbarkeit. Kommunikation. Supervision.
Es gibt viele Ansätze, damit trotz weniger Operationen keine Fehler passieren. Auch die Ausbildung bietet Potenzial. Assistenzärzte mit «zwei linken Händen» beispielsweise, sollten frühzeitig in einen anderen Bereich versetzt werden, um so die Qualität von Operationen aufrecht erhalten zu können.
Quelle: NZZ.ch: «Schweizer Jungchirurgen: zu wenig Übung im Operationssaal?»
Das eine tun und das andere nicht lassen
Für eine nachhaltig gute medizinische Grundversorgung braucht es unbedingt optimal ausgebildeten Nachwuchs. Um die langjährig gewohnte OP-Qualität gewährleisten zu können, braucht es eine genügende Anzahl Operationen sowie eine technische wie auch menschliche Infrastruktur, auf die Assistenzärzte und Patienten zählen können, wenn sie Hilfe brauchen. Und das innert kürzester Zeit!