Ein Vorstellungsgespräch vorbereiten: Worauf muss man achten?

Endlich ist es so weit, das Telefon klingelt, Ihre Bewerbung hat überzeugt und Sie dürfen sich bei einem potenziellen Arbeitgeber vorstellen. Was nun kommt, ist für viele Menschen ein banges Warten mit vielen Fragen. Bleiben Sie dran - auf ein Vorstellungsgespräch kann man sich vorbereiten. Hier die wichtigsten Tipps.

Die eigene Wirkung beim Vorstellungsgespräch

Interesse? Motivation? Begeisterung? Entmutigung? HR-Fachleute spüren schnell, wie gross das Interesse einer Bewerberin oder eines Bewerbers ist. Gesichtsausdruck, Körperhaltung, Händedruck und vieles mehr sind stille Botschafter, die mehr wahrgenommen werden, als uns manchmal lieb ist. Bei einem Vorstellungsgespräch steht man im Rampenlicht. Man exponiert sich und alle schauen zu. Hat man sich schon mehrmals beworben und laufend Absagen erhalten, wächst die Angst, dass es diesmal wieder nicht klappen könnte. Angst entsteht oft durch Unwissenheit und sie wächst durch negative Erfahrungen. Eine sorgfältige Vorbereitung kann zu einem guten Teil Abhilfe schaffen.

Fragen stellen, Argumente sammeln

Interesse bekundet man unter anderem durch Fragen. Durch die richtigen Fragen. Die nachfolgenden Tipps helfen Ihnen, Informationen zu sammeln, mit deren Hilfe Sie einen Fragenkatalog erstellen können. Sie müssen sich nicht alles merken können. Das kann niemand. Jede Information erweitert Ihr Wissen – und Wissen ist der Schlüssel, um Türen zu öffnen.

Erstellen Sie ebenfalls eine Liste mit all Ihren Kompetenzen. Nehmen Sie anschliessend die Stellenausschreibung zur Hand und vergleichen Sie. Wo decken sich die Anforderungen der Stelle mit Ihren Kompetenzen? Wo braucht es noch eine Weiterbildung und welche Argumente bestehen, dass man genau Sie einstellen soll? Was haben bisherige Arbeitgeber, Vorgesetzte, Kunden, Mitarbeitende an Ihnen besonders geschätzt? Gibt es spezielle Erfolgserlebnisse, die im Zusammenhang mit der potenziellen Stelle wichtig sind und die Sie vorbringen können? Was macht Sie einzigartig? Welchen Gewinn hat Ihr angehender Arbeitgeber, wenn er Sie einstellt? Bleiben Sie bei all Ihren Argumenten bei der Realität. Übertreibungen oder gar Falschaussagen werden sich negativ auswirken, weil man diese spüren wird.

Wer ist Ihr Arbeitgeber?

Nehmen Sie sich ganz bewusst viel Zeit für Ihre Recherchen. Dies erweitert Ihr Wissen über Ihren möglichen Arbeitgeber und kann Ihnen sehr von Nutzen sein.

Recherchieren Sie auf der Firmenwebsite, in Pressemeldungen, sozialen Medien, in Chats und Foren. Existieren Firmenvideos? Die meisten sind entweder auf der Firmenwebsite oder auf YouTube.com auffindbar. Mit welchen anderen Berufsbildern (Schnittstellen) werden Sie zusammenarbeiten? Auf watchado.com können Sie sich einen Überblick über Ihnen unbekannte Berufsbilder verschaffen. So erkennen Sie Zusammenhänge in Ihrem möglichen neuen Arbeitsumfeld schon im Vorfeld viel besser. Ihr neu erworbenes Wissen hilft Ihnen, sich Fragen zu notieren. Damit signalisieren Sie sehr konkretes Interesse.

Welche Produkte und Dienstleistungen bietet das Unternehmen an? Welches sind die Mitbewerber? Es lohnt sich, Pressemeldungen zu suchen. Wie sieht die Entwicklung des Unternehmens aus? Finden sich Informationen über Chancen, Gefahren und Trends?

Worum geht es bei der zu besetzenden Stelle?

Der Kernpunkt eines Vorstellungsgespräches ist die bestehende Vakanz im Unternehmen. Die im Stellenangebot ausgeschriebenen Grundanforderungen müssen von Ihnen so weit wie möglich verstanden sein. Klärungsbedarf gibt es immer. Dafür gibt es ja auch das Vorstellungsgespräch.

Haben Sie sich im Vorfeld schon notiert, welche Voraussetzungen für Sie ganz persönlich wichtig sind? Zum Beispiel ein heller Arbeitsraum, Weiterbildungsmöglichkeiten oder Arbeitszeiten (Wann kommt der neue Arbeitsplan für den kommenden Monat heraus?). Für Mitarbeitende, denen Beziehungen wichtig sind, ist die Frage nach der Feedbackkultur sehr wichtig. Welcher Führungsstil wird gepflegt (z. B. Management by Objectiv, Führung durch Zielvorgaben)?

Bedürfnisse müssen übereinstimmen

Im Fokus einer Stellenbesetzung steht ein Bedürfnis eines Unternehmens. Es ist sein Recht, hier nach der am besten passenden Arbeitskraft zu suchen. Aber auch Sie haben Rechte. Bedenken Sie: Sie sind kein Bittsteller, sondern haben wertvolle Kompetenzen anzubieten. Das darf und soll man spüren. Auch Sie überlegen sich, ob die offene Stelle Ihren Bedürfnissen entspricht, und entscheiden erst dann. Wenn Sie die Stelle nicht bekommen, versuchen Sie möglichst zu reflektieren, was die Gründe für die Absage gewesen sind. So können Sie auch von Absagen profitieren und verbessern sich laufend. Oft ist es zu einem gewissen Teil Glücksache, eine neue Stelle zu bekommen. Den andern Teil überlassen Sie nicht dem Zufall, sondern versuchen diesen stetig zu verbessern und steigern so Ihre Chancen auf eine spannende neue Arbeitsstelle.

Mehr Tipps zum Vorstellungsgespräch finden Sie auf Beobachter.ch

17.9.2019, Andreas Räber, GPI®-Coach, Wetzikon