Trotz Hektik Work-life-Balance bewusst einplanen

Keine andere Branche war in den letzten eineinhalb Jahren so gefordert, wie das Gesundheitswesen. Mit entsprechenden Folgen. Mitarbeitende auf den Intensivstationen haben gekündigt. Zu intensiv war diese Zeit. Zu wenig Respekt und Anerkennung. Wie kann der Raubbau am Körper verhindert werden? Um trotz grosser Herausforderungen stabil zu bleiben, ist eine geplante Work-Life-Balance zwingend.

Während stressiger Zeiten nehmen unsere Träume von den nächsten Ferien zu. Einfach ausbrechen, tun und lassen was man will. Träume können uns vorantreiben und uns neue Kräfte verleihen. Doch sind Ferien die einzige Möglichkeit, um neue Energie zu tanken? Das Geheimnis effektiver Erholung liegt in der Regelmässigkeit von kleineren oder grösseren Zeitinseln bzw. einer sorgfältig geplanten Work-Life-Balance.

Es mag komisch klingen, jemanden noch zu einem kleinen Spaziergang zu ermutigen, wenn er oder sie total erschöpft vom hektischen Berufsalltag nach Hause kommt. Doch solche kleine Erholungssequenzen können einen gesunden Abstand zum Alltag schaffen und den Stresslevel erheblich senken.

Denn Schlaf fängt schon vor dem Zubettgehen an.

Mit regelmässiger Bewegung wird gesunder Schlaf gefördert. Doch nun der Reihe nach.

Eine gesunde Work-Life-Balance zahlt sich immer aus!

Eine treffende Metapher für Work-Life-Balance ist das Bild eines Brunnens. Ist der Speicher leer, kann der Brunnen kein Wasser weitergeben. So einfach ist das. Dasselbe gilt für uns Menschen. Sind wir selber ausgelaugt, haben wir auch nichts zu geben. Es geht um einen gesunden Ausgleich zwischen Geben und Nehmen.

Weniger, dafür regelmässig, wirkt auch.

Körper und Psyche und ihre Grenzen

Jeder Mensch hat seine eigene Gewohnheit, wie er sich am besten erholen kann. Manchmal lassen Drucksituationen dies nicht mehr im gewohnten Umfang zu. Das halbstündige Jogging am Morgen, das gemütliche Frühstück, ein entspannter Spaziergang ? in Druckphasen verzichten wir oft auf diese Dinge, die uns mehr Kraft geben als uns bewusst ist. Dabei wissen wir:

Unser Körper und unsere Psyche haben Grenzen.

Diese sind gegeben und können nur durch Sport, Meditation, Entspannung etc. gefördert oder gehalten werden. Leiden Körper und Psyche, leiden unsere Konzentration und unser Leistungsvermögen und es kann zu fatalen Fehlern kommen.

Tipps, wie wir trotz Stress gut für uns sorgen können

Das Gesundheitswesen hat seine eigenen Regeln. Gesundheit richtet sich nicht nach dem Arbeitsplan von Pflegepersonal. Notfälle kommen unverhofft. Daher sind die nachfolgenden Tipps lediglich als Impulse zu verstehen. Je mehr man davon umsetzen kann, desto besser. Jeder kennt sich selbst am besten und weiss, was ihm gut tut.

  • Wenn es für den morgendlichen Jogg nicht reicht, wenigstens Treppen steigen, statt den Lift nehmen. Oder ein/zwei Tram- oder Busstationen früher aussteigen und zu Fuss gehen.
  • Mit den Aufgaben auch das Vertrauen an mögliche Stellvertreterinnen weitergeben.
  • Loslassen, wo möglich. Auch andere Mitarbeitende haben gute Ideen. Loslassen übt man am besten in Zeiten, wo nicht so viel läuft.
  • Jede Tasse Kaffee ist ein Überbrückungskredit von unserem Körper. Darum so wenig wie möglich, so viel wie nötig.
  • Oftmals werden Abläufe optimiert und überprüft, um möglichst viele Kosten zu sparen. In besonderen Herausforderungen wie Corona sollte eingesparte Zeit dem Personal als Freiraum zugutekommen.
  • Wer tief ein- und wieder ausatmet und dann den Atem etwas anhält, unterstützt den Vagus und fördert die Entspannung. Dafür reichen schon wenige kurze Momente.
  • Nach Feierabend die Arbeit sein lassen. Das Unterbewusstsein braucht unsere Denkarbeit nicht und sucht in Ruhephasen selbstständig nach den besten Lösungen.
  • Vor dem Zubettgehen mit Meditation, einem Spaziergang etc. den Stresslevel senken. Damit wird gesunder Schlaf gefördert und man fühlt sich am Morgen erholter.
  • Wenn Sie im Bett liegen, versuchen Sie zu lächeln. Es darf auch aufgesetzt sein. Einfach lächeln. Damit erhöhen Sie die Chance, entspannt einzuschlafen und am Morgen motiviert aufzuwachen.

Es gibt viele Möglichkeiten, um Körper und Psyche aufzubauen. In ruhigen Zeiten lassen sich diese müheloser umsetzen.

Für hektische Zeiten lohnt es sich, im Vorfeld eine gekürzte Variante auszudenken. Für eine Art Überbrückungsbalance.

Denn dann zählt jede einzelne Massnahme. Jeder Schritt. Jede auch noch so kurze Atemübung. Jeder Powernap. Zusammengefasst: jede Minute Erholung.

20.8.2021, Andreas Räber, GPI®-Coach, Wetzikon