Steigende Gesundheitsausgaben ohne Ende?!

Bis Ende 2027 sollen die Gesundheitsausgaben auf 110 Mia Franken ansteigen, so die Prognose der Konjunkturforschungsstelle ETH (KOF). Das KOF geht von 3,9 Prozent Kostenanstieg pro Jahr aus. Ein Fass ohne Boden sozusagen. Gründe, überraschende Erkenntnisse und ein Lösungsansatz hier im Fokus.

Die genannten Daten werden seit 1997 erhoben. Damals ging man von durchschnittlich 3,5 Prozent Steigerung aus und das liegt, wie die Zahlen heute belegen, daneben. Zahlen legen wir am liebsten so aus, dass sie unsere Meinung bestätigen. Es braucht ein genaueres Hinsehen.

Eine Studie der Universität Bern sowie eine Einschätzung von Avenir Suisse (unabhängiger Think- Tank) zeigen uns ein differenzierteres Bild.

Schauen wir auf die Protagonisten dieser Entwicklung

Protagonist 1: Wir, die Patienten

Wir, dass sind all diejenigen, die aus verschiedenen Gründen, Krankenkassenleistungen beanspruchen. Laut dem NZZ-Artikel «Schweizer Gesundheitswesen: warum die Kosten weiter explodieren» ist die Menge an Gesundheitsleistungen sehr gestiegen. Das liege auch an den Patienten selbst.

Wir werden anspruchsvoller!

Oft werden Bluttest oder ein MRI durchgeführt, obwohl es dafür medizinisch eigentlich keinen Grund gebe. Unter anderem liege das an der wachsenden Anspruchshaltung seitens der Patienten. Warum Ärzte in solch klaren Fällen nicht insistieren, lässt die NZZ offen. Ist es nicht so, dass Ärzte das Prozedere bestimmen sollten?

Wir leben länger

Am stärksten steigen die Gesundheitskosten in der Langzeitpflege. Da wir immer älter werden, müssen Menschen immer länger – im Spital, in einem Heim oder zuhause – gepflegt werden. Gleichzeitig steigen auch die Kosten für ambulante Behandlungen.

Protagonist 2: der medizinische Fortschritt

Medizinischer Fortschritt hat viele gute Seiten und auch schwierige. Es bedeutet, mehr Möglichkeiten und mehr Chancen zu haben, Menschen zu heilen oder ihre Lebensqualität zu verbessern – zumindest was die Gesundheit des Körpers anbelangt. Und so leben, wie bereits erwähnt, länger und sind darum oft auf mehr Pflege angewiesen, was erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheitskosten hat.

Entwicklung neuer Medikamente

Unsere Pharmaindustrie entwickelt laufend neue Medikamente. Dies bedeutet eben auch, kosten- und gewinnorientiert zu arbeiten. Und so sind viele Medikamente überteuert. Krankheit und Unfall sind leider – der Kapitalismus lässt grüssen – ein lukratives Geschäft.

Entwicklung neuer Geräte

Roboter, die KI-gestützt Operationen erfolgreich durchführen, sind

a) ein Imageerfolge und

b) auch eine Entlastung.

Eine neue Software für die Erfassung von Patientendaten, Statistiken oder Arbeitsabläufe, alles kann entlasten – und bedeutet am Anfang Zusatzaufwand. Auch hier spielt der Markt mit und nimmt keine Rücksicht auf betroffene Menschen.

Was sich verkaufen lässt, kostet. Darf auch kosten. Die Frage ist nur, wo sind die Grenzen nach oben?

Protagonist 3: die Politik

Ausbildungsoffensive, eine Massnahme, die sich unsere Regierung auf die Fahne schreibt.

«Meine Tochter bewirbt sich zur Zeit um eine Lehrstelle als Fachfrau Gesundheit. Solange ich da mitbekomme, dass sich auf 8 freie Lehrstellen über 100 Junge bewerben, glaube ich nicht, dass wir zu wenig Arbeitswillige im Land haben.»
(Kommentar einer Leserin, Tagesanzeiger, Artikel «Schweizer in Frühpension»)

Politische Pläne sind das eine. Doch ist es die Praxis, die aufzeigt, wie viel wert eine Theorie wirklich ist. Und auch, wie viel Ahnung die Verantwortlichen vom Gesundheitswesen haben.

«Die Politik in anderen Kantonen sagt: Weil es schlecht läuft, müssen wir dreinreden. Das Gegenteil ist der Fall: Es läuft schlecht, weil die Politik dreinredet».
(Thurmed Gruppe CEO Rolf Zehnder – Anm. Die Thurmed Gruppe hat einen Gewinn von 27 Mio erwirtschaftet. Quelle: NZZ: «Die Kunst, ein Spital profitabel zu machen: eine Anleitung in sieben Schritten»)

Mein Fazit, meine Frage:

Finden wir die kostenauslösenden Gründe im Gesundheitswesen tatsächlich nur in den Gesundheitsbetrieben?

Zusammengefasst kann man die Haltung der Protagonisten wie folgt aufzählen:

  • Gesteigerte Erwartungen,
  • teure Investitionen
  • mangelnde Kompetenzen der politischen «Entscheidungsträger»

Manchmal liegt Fokus der Kosten genau auf den Menschen, die am meisten Erfahrung haben und doch – so scheint es zumindest oft – am wenigsten Mitspracherecht: Pflege-Fachpersonal, Ärzte etc.

Kann man Gesundheitskosten auch anders einstufen?

Ein anderer Blick auf die Gesundheitskosten

Avenir Suisse schreibt im Artikel «Sind die Gesundheitskosten der Jungen zu hoch?», dass die Gesundheitskosten der jüngeren Generation stärker ansteigen als die der älteren. Avenir Suisse bestätigt, dass die wachsende Anzahl von Senioren ein kostentreibender Faktor ist, stellt aber auch die Frage, ob sie tatsächlich allein für die steigenden Gesundheitskosten verantwortlich sind.

Das Fazit von Avenir Suisse überrascht!

Der Anteil der Gesundheitskosten der Senioren den den Gesamtausgaben ist stabil geblieben, während 56 Prozent der Gesundheitsausgaben auf die Jüngeren fallen (Quelle: Studie Universität Bern).

Im Zeitraum von 2011 bis 2021 sind die Kosten wie folgt gewachsen: Bei

  • über 70-Jährigen plus 10 Prozent,
  • 26- bis 30-Jährige plus 32 Prozent,
  • Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren 44 Prozent und bei
  • Kindern zwischen 6 und 10 Jahren 73 Prozent

Regelmässige Arztkonsultationen

Avenir Suisse ordnet diese Zunahme bei den jüngeren Personen der Tatsache zu, dass immer mehr jüngere Menschen regelmässig zum Arzt gehen. Aus gesundheitspolitischer Sicht ergibt es Sinn, in die bessere Behandlung junger chronisch Kranker zu investieren, um eine spätere Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes zu vermeiden – schreibt Avenir Suisse.

Es kann durchaus auch sein, dass unsere jüngere Generation verstanden hat, dass Gesundheit unser wertvollstes Gut ist. Und dass Prävention oder Früherkennung Leben verlängert und die Kosten für die Langzeitpflege senken wird.

Mit diesen Angaben von Avenir Suisse verändert sich der Blick auf die steigenden Gesundheitskosten gewaltig! Es kann für die ältere Generation nur sinnvoll sein, wenn die jüngere Verantwortung für ihre Gesundheit übernimmt.

Und gleichzeitig ist es auch entlastend, zu wissen, dass die Kosten für die ältere Generation nicht so extrem steigen, wie das vielfach suggeriert wird.

Was ist uns Gesundheit wert?

Die steigenden Krankenkassenprämien machen niemandem Freude. Besonders dann nicht, wenn wir die Zahl nur für uns selbst beurteilen und nachrechnen, auf was wir vielleicht alles verzichten müssen. Bei Menschen mit wenig Einkommen ist diese Haltung äusserst nachvollziehbar.

Vielleicht müssen wir das WIR wieder neu definieren?

Gesundheit ist keine persönliche Angelegenheit, wie schon Corona oder die jährliche Grippe zeigen. Gesundheit und Krankheit betrifft uns alle. Früher oder später. Es ist und bleibt ein gemeinsames Thema.

Übernehmen wir Verantwortung für unsere Gesundheit, profitieren alle davon. Tun wir das nicht, bezahlen alle.

Verantwortung kann bedeuten:

  • gesünder essen
  • weniger Stress zulassen
  • mehr Schlaf
  • Bewegung
  • etc.

in jedem Alter.

24.12.2025, Andreas Räber, Enneagramm Trainer Cp, Wetzikon