Ansätze für ein resilientes Gesundheitssystem
Wie können die Gesundheitskosten gesenkt und die Effizienz gesteigert werden? Eine Frage, die nicht nur die Schweizer Bevölkerung seit Jahren beschäftigt. Immer wieder wird der Fokus auf die zunehmende Alterung gelenkt, auf die teuren letzten Lebensjahre. Doch das ist zu kurz gedacht. Wo können wir ansetzen? Die drei Bereiche ambulante Versorgung, Technologie und Longevity hier im Mittelpunkt.
Wenn eine gute Idee wächst, ohne sinnvolle Strukturen zu haben, wenn gewiefte Unternehmen ihre Gewinnchancen in einem wachsenden Markt spüren und wenn Ansprüche auf mehr Leistung zu gleichen Voraussetzungen vorhanden sind, wird aus einer ursprünglich einfachen und hilfsorientierten Lebenshaltung ein komplexer Wirtschaftszweig, der zum Politikum wird.
Schwierig, hier auf einen grünen Zweig zu kommen. Zumindest nicht von heute auf morgen. Aber fortlaufend!
Heisst dran bleiben und wagen.
Hier drei Perspektiven, an die wir glauben dürfen!
Die nachfolgenden Punkte stammen aus der Studie «Alternde Schweiz - Ansätze für ein resilientes Gesundheitssystem» von Deloitte.com, Februar, März 2025.
Ambulante Versorgung ausbauen
Viele Gesundheitsbetriebe zu betreiben bedeutet auch, hohe Fixkosten finanzieren zu müssen. Dieser Aufwand lohnt sich nur, wenn die Auslastung dementsprechend ist. In unserem Beispiel bedeutet dies, dass ein Gesundheitsbetrieb nicht alle Dienstleistungen anbieten muss.
Auch im Gesundheitswesen lohnt es sich, sich auf Stärken zu fokussieren und bei Bedarf mit Partnern zusammenzuarbeiten.
Gesundheitszentren, Hausärzte und mobile Versorgungsangebote können eine entlastende und begleitende Rolle einnehmen.
Fortschritt zahlt sich aus
Dank Weiterentwicklung zum Beispiel in Chirurgie, Anästhesie und Schmerztherapie sind mehr Eingriffe ambulant möglich. Eine Übernachtung im Spital ist oft nicht nötig. Ebenso können gewisse Eingriffe und Behandlungen in Arztpraxen vorgenommen werden.
Der grosse Vorteil für Patienten: Sie sind schnell wieder in ihrem gewohnten Lebensraum zurück. So können die Kosten für Operationen zum Teil massiv gesenkt werden.
Ambulante Versorgungen haben noch viel Potenzial. Es sind, wie so oft, fehlende finanzielle Anreize, die die Umsetzung verhindern. So sind zum Beispiel die Tarife für ambulante Behandlungen für Spitäler nicht kostendeckend.
Auch engmaschigere Kontrollen sind möglich
Weiter schwingt auch immer die Angst der Patienten mit, dass zuhause irgendetwas passieren könnte. Um diesem Bedürfnis nach Sicherheit Rechnung tragen zu können, gibt es Konzepte wie «Hospital at Home». Wo eine engere Nachbetreuung Sinn macht, können mehr Kontrolltermine, mobile Unterstützung und digitale Anwendungen (z. B. medizinische Überwachung) eingesetzt werden.
Diese Unterstützung bedingt eine vernetzte, dezentrale Versorgungsstruktur, damit wichtige Patienten-Daten für das medizinische Fachpersonal durch den gesamten Behandlungsverlauf sicher bereit liegt.
Und hier kommt die Technologie ins Spiel.
Technologie
Informationsaustausch muss
a) einfach sein,
b) entsprechende Zugriffe für das zuständige Fachpersonal ermöglichen,
c) den Patienten die Kontrolle über ihre Daten erlauben.
Laut dem Digital-Health-Report 2021 der ZHAW liegt der Digitalisierungsgrad im Gesundheitswesen bei
44% - unter dem Schweizer Durchschnitt von 50%. Besonders schwach ist die Verfügbarkeit von
Gesundheitsdaten, obwohl sie bei regulatorischen Rahmenbedingungen und Partnerschaften für personalisierte Medizin zu den Top 10 zählt.
Das elektronische Patientendossier (EPD)
Bis Ende Februar 2025 hatte nur gerade ein Prozent der Schweizer Bevölkerung ein elektronisches Patientendossier (EPD) eröffnet. Der Nutzen sei zwar vorstellbar, doch sind nach wie vor Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit und des Datenschutzes vorhanden.
Das ist die Patientenseite. Auch die Gesundheitsanbieter sind zurückhaltend, sind doch viele unterschiedliche IT-Systeme im Einsatz und die passenden Schnittstellen oft nicht vorhanden. Zudem verwendet das Personal bevorzugterweise das System, das es kennt. Und so müssen Daten oft aufwändig und mehrmals erfasst werden.
Einheitliche Standards und klare Richtlinien bezüglich der Nutzung von IT-Anwendungen im Gesundheitssektor sind zwingend!
Ebenso ist die Nutzung von künstlicher Intelligenz, da wo möglich, ein wesentlicher Zeitspar-Faktor.
Longevity: mögliche Gesundheitsprobleme frühzeitig erkennen und behandeln
Prävention nützt allen. Ganz einfach.
Dank jahrelanger Erfahrung und umfangreicher Daten können Krankheiten früher erkannt und behandelt werden. Longevity will mit Wissen und fundierten Ratgebern die Selbstverantwortung (Patientenkompetenz) von Menschen fördern.
Viele typische altersbedingte Erkrankungen wie Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte lassen sich inzwischen gut therapieren. Das kann medikamentös geschehen und/oder durch die Anpassung des Lebensstils.
Heisst:
- Regelmässige Kontrolluntersuchungen decken auf. Je früher, desto besser die Chancen.
- Gesunde Ernährung (altersbedingte Entzündungsprozesse verhindern, Diabetesrisiko senken, der schlechteren Verwertbarkeit der Nahrung Rechnung tragen etc.).
- Regelmässige Bewegung plus Beweglichkeit erhalten, «Use it, or lose it».
- Genügend Schlaf (Erhalten von Konzentration und Denkfähigkeit)
- Beziehungen pflegen, am Sozialleben teilnehmen (Risiko für Demenz einschränken).
- Etc.
Pflicht: Sinnvoll aufbauen und erhalten
Es geht nicht um die Menge oder gar ein Zuviel. Es geht um Regelmässigkeit. Ums Umsetzen.
Aktive Prävention steigert die Lebensqualität und senkt die Gesundheitskosten.
Dank diesen Massnahmen würden laut des Future-of-Health-in-Europe-Berichts von Deloitte die Gesundheitskosten in der Schweiz im Jahr 2040 um 30 Milliarden tiefer ausfallen. Selbstverständlich ist diese Zahl von verschiedenen Faktoren abhängig. Eine weitere Pandemie, beispielsweise, könnte alle Statistiken über den Haufen werfen.
Vielleicht sind es dann nicht 30 Milliarden – aber definitiv weniger, als wenn wir uns gehen lassen und nichts tun!
Unser Gesundheitswesen hat viel Potenzial für mehr Effizienz und, in der Folge, tiefere Kosten.
Doch Vorsicht:
Der Fokus bei allen Massnahmen soll wie bis anhin bleiben. Dass kranken und verunglückten Menschen geholfen wird und vulnerable Menschen eine gute Lebensqualität haben.
24.12.2025, Andreas Räber, Enneagramm Trainer Cp, Wetzikon